Knapp zwei Wochen nach der Anschaffung eines stromsparenden Rechners für mein 24×7 MythTV Backend, habe ich nun angefangen mal meinen gesamten Haushalt durchzumessen.

Bei dem Messgerät handelt es sich um ein Voltcraft Plus Energy Monitor 3000 von Konrad für 40,-€. Es ermöglicht die Messung der Wirkleistung (der Teil den man bezahlt) und der Scheinleistung (und deren Verhältnis CosPhi).

Bei allen Messungen gebe ich die Wirkleistung in Watt (W) sowie die Scheinleistung (Gemäß DIN 40110-1 wird in der elektrischen Energietechnik vorwiegend für die Scheinleistung das Voltampere [Einheitenzeichen VA] verwendet) in VA mit / getrennt an.

Fangen wir mit dem Gerät an, auf das ich die meiste Zeit des Tages starre:

ein LG L245WP 24″ TFT Monitor:

  • Standby: 2.5 W / 21.8 VA
  • Aus: 1.1 W / 21.3 VA

da ein TFT in Abhängigkeit der eingestellten Helligkeit mehr oder weniger Strom verbraucht hier mit verschiedenen Helligkeiten, ich verwende idR 40%.

  • 0% 35 W / 46.0 VA
  • 20% 45 W / 68.0 VA
  • 30% 49 W / 75.0 VA
  • 40% 53 W / 80.0 VA
  • 100% 83 W / 90.4 VA

Bei meinem nächsten Monitor werde ich darauf achten, das er über einen Umgebungslichtsensor verfügt. Denn in den Abendstunden reichen mir 20% Helligkeit aus, am Tage sind die aber definitiv zu wenig.

Kommen wir zu meiner Hifi Anlage, hier gab es auf jeden Fall große Überraschungen für mich.

Mein Verstärker, ein Sony STR-DB940QS mit einer angegeben Leistung von 5 * 110W Sinus (ich glaube an 4Ohm).

Messungen im Stereo Betrieb ergaben bei doch schon recht hoher Lautstärke einen Verbrauch von 50W / 60 VA. Selbst im 5.1 Betrieb war der Schnitt nur bei 55W / 65 VA, auch wenn es hier Peaks gab die bis 87 W / 109 VA reichten. Hier werde ich wohl noch einige weitere Versuche starten (längeren Min/Max Betrieb des Messgerätes).

Eine weitere Überraschung gab es bei meinem Subwoofer, einem Yamaha YST-SW800 mit einer angegebenen Leistung von satten 800W. Ich habe es nicht geschafft mehr als 25 W mit Techno Musik aus ihm heraus zu kitzeln, dabei ist die Musik schon sehr laut und in Summe unangenehm. Hier werde ich aber noch eine Messung ohne Lautsprecher (nur Subwoofer) durchführen.

Kommen wir zu meinem guten alten Röhrenfernseher, ein Philips 28PW9515 16/9 100Hz TV.

Da der Stromverbrauch von Röhrengeräten vom Bildinhalt abhängt (schwarz = am wenigsten, weiß = am meisten) habe ich ihn am Rechner betrieben (S-Video) und schwarz/weiße Hintergrundbilder eingespeist.

  • schwarz: 95 W / 142 VA
  • weiß: 157 W / 241 VA
  • blau (keinerlei Signal): 97 W
  • Standby (rot): 0.4 W / 6.5 VA
  • Standby (gelb): 39 W / 62 VA

Im Standby musste ich unterscheiden zwischen der EPG Suche (gelb) und ohne (rot). Der Fernseher grast nämlich im Standby regelmäßig die EPG Daten für sein NextView System ab. Der Stromverbrauch ist dabei für meinen Geschmack deutlich zu hoch. Bei mir läuft der Fernseher aber nicht im Standby.

Oft kommt mein Fernseher ja nicht mehr zum Einsatz, da ich meist meinen Beamer, einen Mitsubishi HC3000, verwende. Natürlich habe ich auch ihn einer Verbrauchsmessung unterzogen.

  • Standby: 7.7W / 21.5 VA
  • Betrieb (normal): 240 W / 272 VA
  • Betrieb (eco): 193 W / 223 VA

Hier war ich etwas überrascht, so hätte ich deutlich mehr Differenz zwischen Eco und Normalbetrieb erwartet. Ich selbst verwende ausschließlich den Eco-Modus.

Kommen wir jetzt zu meinen Computern.

Als erstes das Gerät auf dem ich gerade Tippe, es verfügt über folgende Komponenten:

  • GA K8NF9 Ultra 939er Mainboard
  • AMD-X2 4400+ (weiß grad nicht den Typnamen)
  • Creative Audigy 1 ES
  • 2 GB DDR333 Ram (4 Riegel a 512MB)
  • 2 * 250GB Samsung Spinpoint Sata drives (Software raid1)
  • ATAPI DVD-Brenner (PIONEER – DVD-RW DVR-108)
  • Nvidia 7900 GS PCIe Grafikkarte mit 256MB Ram
  • Enermax 350W Netzteil mit PFC (kein 80+)

und ergab folgende Messergebnisse:

  • Standby: 5.9 W / 18.7 VA
  • Suspend to RAM (S3): 9.7W / 24.2 VA
  • Console/Idle@1.0Ghz: 114.0 W /120.0 VA
  • Console/Idle@2.2Ghz: 121.5 W / 127.0 VA
  • X11/Idle@1.0Ghz: 103 W / 106 VA
  • X11/Idle@2.2Ghz: 110 W / 113 VA
  • 1 * md5sum: 137 W / 142 VA
  • 2 * md5sum: 157 W / 161 VA
  • 2 * HDD (schreiben mit dd) Anstieg: von 103W (idle@1.0Ghz) auf 110W / 113 VA
  • 3D mittels R4 (1080p fullscreen): Min: 150 W / 155 VA Max: 189W / 192 VA
  • mythfrontend: 116 W / 122 VA (@1Ghz mit Yadif-Deint und 50Hz)
  • H264-1080i via mplayer: 145 W / 150 VA (@2.2Ghz)
  • Stress1 (-c 4 -m 4 -i 4): 164 W / 168 VA
  • Stress2 (+hdd mit -d 4): 168 W / 172 VA

Console bedeutet, kein Xorg sondern eine 80×25 Text-Terminal. Kurioserweise verbraucht das mehr Strom als ein laufendes Xorg, vermutlich fehlt hier das Stromsparmanagement der 3D Karte. Hier gab es für mich eigentlich kaum Überraschungen, außer vielleicht das die 3D Karte weniger verbraucht als ich angenommen hatte. Zusätzlich zum Stresstest werde ich vielleicht noch einmal cpuburn testen, vielleicht lastet der stresstest noch nicht alle Teile der CPU voll aus.

Kommen wir zu USB Geräten, ich verwende einen powered HUB an dem ein Scanner (Agfa Snapscan e50), ein Bluetooth Dongle und ein 16in1 Cardreader dran hängen.

  • Netzteil ohne Hub: 1.5W / 11 VA
  • Hub ohne Verbindung zum Rechner: 6.6W / 12.7 VA
  • Hub mit Verbindung zum Rechner: 8.6W / 14.0 VA

Desweiteren habe ich noch den Verbrauch des Scanner Netzteiles gemessen:

  • Scanner an (Lampe): 15 W / 19.1 VA
  • Scanner off: 5.7 W / 10.4 VA
  • beim Scan: <todo>

Bei meinem zweiten Rechner wollte ich gleichzeitig noch den Unterschied zwischen verschiedenen Netzteilen messen. Bisher habe ich nur 3 verschiedene zur Verfügung, das Enermax des anderen Rechners und zwei Billig-Netzteile mit 300W (ohne PFC) bzw. 350W (mit PFC). Das wird sich aber noch ändern.

Netzteil 1:(noname 300W ohne PFC)

  • Standby: 4.4 W / 15.4 VA
  • Idle+Mythtv: 65 W / 81.4 VA
  • Idle: 60.0 W / 75 VA
  • Stress1: 93 W / 118.2 VA

Netzteil 2: (noname 350W mit PFC)

  • Standby: 5.2 W / 11.7 VA
  • Idle+Mythtv: 62.5 W / 74.4 VA
  • Idle: 58.0 W / 70.1 VA
  • Stress1: 88.3 W / 100.4 VA
  • Stress2: 91.0 W / 103.0 VA

Netzteil 3: (Enermax aus anderem Rechner, 350W mit PFC)

  • Standby: 4.6W / 17.7 VA
  • Idle: 64 W / 69 VA
  • Stress1: 94.7 W / 98.7 VA
  • Stress2: 97.3 W / 101.0 VA

Von den drei bisher versuchten Netzteilen schneidet keins besonders gut ab, ich vermute bei allen drei einen Wirkungsgrad (bei meinem Lastbereich) von 60% oder weniger. Das Enermax erzeugt am wenigsten Blindleistung, zur Freude des Stromversorgers. Den besten Wirkungsgrad scheint das zweite Netzteil zu besitzen. Leider habe ich bisher noch keine Möglichkeit den echten Wirkungsgrad zu messen, z.B. durch anhängen einer frei definierbaren Last an das Netzteil.

Weitere Messergebnisse wird es hier demnächst auch noch zu sehen geben.

Wie versprochen habe ich noch weitere Messungen angestellt. Diesmal habe ich versucht den Stromverbrauch der einzelnen Komponenten meines Rechners zu bestimmen. Dazu habe ich ein Headless Debian/Etch von einem PXE/NFS System gebootet. Als Kernel kam ein 2.6.24 zum Zuge. Alle nicht benötigten Onboard Komponenten wurden abgeschaltet, es blieben nur noch der SATA Controller und die Netzwerkkarte aktiv für alle Messungen.

Zuerst habe ich den nackten Rechner gemessen der aus folgenden Komponenten besteht:

  • MSI K9AG Neo2-Digital, 690G Mainboard
  • AMD Athlon X2 BE-2300 45W TDP CPU
  • 1 x Kit 2x1024MB Kingston DDR2 1066MHz PC-8500
  • Arctic Cooling Alpine 7
  • Netzteil 2 von oben

Verbrauch:

  • Idle @1Ghz: 43.9 W / 57.4 VA
  • Idle @1.9Ghz: 51.1 W / 65.0 VA
  • Stress: 76.4 W / 89.8 VA

Als nächstes habe ich meine DVB-C Karte, eine Terratec Cinergy 1200 (altes Modell mit tda10021 Demod) eingebaut:

  • Idle @1Ghz: 46.0 W / 60.2 VA
  • Stress: 78.8 W / 92.0 VA
  • Transponder locked: 49.1 W / 62.4 VA

Die DVB-C Karte verbraucht also 2.1W im idle und 3.1W wenn ein Transponder gelocked ist. Eventuell ist der Verbrauch noch etwas höher sobald Daten von der Karte bezogen werden, ich vermute hier aber dann eher Lastanteile auf der CPU/IO als der Karte und habe mir die Messung daher geschenkt.

Anschließend tauschte ich gegen die DVB-S Karte (Technisat SkyStar2):

  • Idle @1Ghz: 48.0 W / 61.0 VA
  • Stress: 80.3 W / 92.6 VA
  • Transponder locked: 51.7 W / 65.1 VA

Die DVB-S Karte verbraucht also schon etwas mehr Strom als die DVB-C mit 4.1W im Idle und 7.8 W im Transponder lock.

Als nächstes war die Festplatte dran, eine Samsung Spinpoint HD753LJ mit 750 GB:

  • Idle @1Ghz: 51.7 W / 65.3 VA
  • Stress: 83.9 W / 96.1 VA

Mit 7.8W liegt die Festplatte hier nahezu exakt am vom Hersteller spezifizierten Wert von 7.7W.

Schlussendlich habe ich noch einen der beiden Riegel meines Ram Kits aus dem Rechner genommen um den Verbrauch des Hauptspeichers näherungsweise messen zu können:

  • Idle @1Ghz: 42.1 W / 55.6 W
  • Stress: 74.0 W / 86.6 VA

Mit 1.8W (idle) sowie 2.4W (stress) liegt der Verbrauch deutlich unter dem was ich nach dem Tomshardware SolarPC Artikel erwartet hätte. Vielleicht ist ja tatsächlich der technische Fortschritt dafür verantwortlich, ich vermute eher Messungenauigkeiten. Vielleicht verbrauchen auch 2 Module nicht doppelt so viel Strom wie ein Modul?

Fassen wir die relevanten Ergebnisse als Differenz zum Idle-Mode nun also in einer Tabelle zusammen, der Transponder Lock Wert ist dabei als Gesamtverbrauch der Karte zu verstehen. Den Stress Wert habe ich raus gelassen, da er mehr zu Lasten der CPU geht (Ausnahme RAM) als der entsprechenden Komponenten.

Komponente Idle@1Ghz Transponder Lock
DVB-C 2.1W 5.2W
DVB-S 4.1W 7.8W
Festplatte 7.8W
nur 1 RAM-Riegel -1.8W -2.4W (Stress Wert)

Nach dem Tomshardware Artikel über Ihren SolarPC versuche ich hier mal ohne Betrachtung des Netzteiles den kleinstmöglichen Stromverbrauch meines geplanten Systems zu überschlagen:

+ Prozessor 9 W
+ Kühler 1 W
+ Motherboard 8 W
+ Speicher 7 W
+ HDD 8 W
+ DVB-C 6 W
+ DVB-S 8 W

Macht nach oben abgerundet in Summe 47W + dem Eigenbedarf/Verlust des Netzteils die als Ziel stehen. Momentan verbraucht mein MythTV System im Betriebszustand ~64W. Mit einem Netzteil das einen Wirkungsgrad von 85% besitzt sollten hier als höchstens 55W anfallen. Das ist das Ziel das ich erreichen möchte.

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